DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 02. November 2009
Der „GAIN“ - Effekt
Obwohl einige Schulen in unserer Heimat bei den PISA - Studien nicht immer auf den vorderen Plätzen landen, schätzen unsere europäischen Nachbarn sowie insbesondere die USA, die hervorragende Qualität unserer Hochschulausbildung.
Jahrelang pickten sich deshalb besonders amerikanische Universitäten bei uns die so genannten „Rosinen“ aus dem Kuchen und warben junge Wissenschaftler reihenweise ab.
Sich einmal den Wind um die Nase wehen zu lassen und im Ausland zu Erfahrungen sammeln, dagegen lässt sich nichts einwenden, denn dadurch erweitert man den Horizont bei gleichzeitiger Vertiefung der Völkerverständigung.
Wer selbst als Ausländer im Ausland gelebt hat, geht erfahrungsgemäß wesentlich toleranter mit Menschen um.
Bedauerlicherweise verloren wir in unserer Heimat durch den ständigen Weggang von Hoffnungsträgern sehr viel Zukunftswissen, das Jahrzehnte der Garant für sichere Langzeitarbeitsplätze war.
Der Wissenschaftsstandort Deutschland war und ist noch immer ein riesiger
Jobmotor
für alle Bürger sowie für den deutschen Mittelstand. Da wird es verständlich, dass man sich vermehrt um die akademischen Abwanderer kümmert und engen Kontakt hält.
GAIN
german academic international network
ist eine solch nützliche Einrichtung und versteht sich als Plattform für deutsche Wissenschaftler, die in Nordamerika tätig sind und möglicherweise an einer Fortsetzung ihrer Laufbahn in Deutschland oder Europa interessiert sind.
GAIN
versucht die deutschen Wissenschaftler in den USA auf dem Laufenden zu halten sowie Verbindungen mit Kollegen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen herzustellen.
Der kostenlose
GAIN - Newsletter
versorgt darüberhinaus die deutschen Wissenschaftler regelmäßig mit Wissenswertem aus Deutschland und Europa.
Gemeinsam mit der Alexander von Humboldt - Stiftung, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und der Deutschen Forschungsgemeinschaft richtete GAIN nun schon zum 9. Mal die große
GAIN - Tagung
für deutsche Nachwuchswissenschaftler in Nordamerika aus.
Rund 260 Teilnehmer nutzten vom 18. bis 20. September 2009 in San Francisco die gebotene Möglichkeit, sich von führenden deutschen Wissenschaftsvertretern gezielt über die Rückkehrmöglichkeiten in die Heimat informieren zu lassen.
Waren die früheren Veranstaltungen eher spärlich besucht, so war der September 2009 in San Francisco ein voller Erfolg, denn die Veranstaltung des
GAIN
german academic international network
hatte deutlich mehr Besucher als in den vergangenen Jahren zu verzeichnen.
Dafür gibt es natürlich mehrere Gründe.
Die US - Finanz- und Wirtschaftskrise erfasste die amerikanischen Hochschulen mit voller Wucht und ließ die Sponsorengelder schlagartig versiegen.
Lukrative Kooperationen mit der Industrie wurden abrupt beendet und mögliche Weiterführungen sind vollkommen unwahrscheinlich.
Die meisten Universitäten reagieren mit einem rigorosen Stellenabbau, der die Karriereperspektiven für deutsche Wissenschaftler in den USA erheblich verschlechtert.
Hinzu kommt eine drastische Erhöhung der Studiengebühren, die das Studentenaufkommen in den kommenden Jahren quasi halbieren werden.
Auch die äußerst schlechten sozialen Sicherungssysteme in den USA schaffen kein Vertrauen und lassen die Aussichten in Nordamerika noch trüber erscheinen.
Mangelhafte Alterssicherung, desaströse Systeme der Krankenversicherung oder das Fehlen von Ausbildungskosten für Kinder verschärfen die Situation für deutsche Familien zusätzlich.
Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich deutsche Wissenschaftler darüber informieren, in welchem Bundesland in unserer Heimat man auch noch mit 45 Jahren eine Beamtenstelle bekommen könnte.
Für die meisten Ratsuchenden ist es von höchstem Interesse, welche Zuschläge man noch auf die Rente angerechnet bekommt, obwohl man längere Zeit im Ausland einer vermeintlich lukrativen Beschäftigung nachging.
Das Blatt hat sich urplötzlich gewendet.
Klagte man noch vor zwei Jahren über die schlechten Aussichten sowie die Bezahlung in Deutschland, so sucht man jetzt den
Schutz der sozialen Sicherungssysteme
in unserer Heimat.
Nun greift die vorsorgliche Strategie, dass man in unserer Heimat für deutsche Nachwuchsakademiker an den Hochschulen spezielle Beratungszentren für so genannte Doppelkarrieren von Wissenschaftlerpaaren eingerichtet hat.
Heute gibt es bereits ein sehr gut funktionierendes Netzwerk von 30 solcher Beratungsstellen.
Mit dem massiven Dreierpack
Hochschulpakt, Fortsetzung der Exzellenzinitiative
sowie mit dem
Pakt für Forschung und Innovation
wurden für Wissenschaft und Hochschulen für Rückholaktionen 18 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, so dass Tausende neuer Stellen geschaffen werden können.
Bedingt durch den massiven Dreierpack waren die Chancen für willige Rückkehrer noch nie so gut wie heute.
Ein Pluspunkt
für alle Hochschulen in unserer Heimat.
Ein Pluspunkt
für die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands.
Ein Pluspunkt
für die Schaffung neuer und sicherer Arbeitsplätze.
Denn nach wie vor locken viele amerikanische Hochschulen immer noch mit den Möglichkeiten des
„tenure track,
das heißt einer Aufstiegsperspektive von der zeitlich befristeten Anstellung als so genannter
Assistant Professor zur Festanstellung oder Full Professor.
Auf der Tagung berichteten aber viele Deutsche darüber, dass in jüngster Zeit in den USA die Zahl solcher Dauerstellen stark zurückgefahren werden und immer größere Teile der Lehre über miserabel bezahlte, befristete Teilzeit - Stellen abgewickelt werden.
Die meisten Teilnehmer auf der Veranstaltung in San Francisco waren sehr positiv angetan über die hochrangige Vertretung aus der deutschen Wissenschaft und den Wissenschaftsorganisationen.
Das zeigt deutlich, dass wir in unserer Heimat an der Rückgewinnung und der Kontaktpflege mit unseren besten wissenschaftlichen Nachwuchskräften im Ausland größtes Interesse haben.
Und wie von Zauberhand verwandelt klingt das Wort Verbeamtung gar nicht mehr so übel in den Ohren der Heimkehrer.
Jahrelang war der Arbeitsmarkt der Wissenschaft extrem hart umkämpft. Besonders die USA verstanden sich teuflisch gut darauf, Wissenschaftler weltweit zu umgarnen und mit großen Versprechungen in ihr Land zu locken.
Doch manchmal klappt
so etwas auch an den viel gescholtenen deutschen Universitäten.
Da heißt es nun öfter einmal
goodbye Palo Alto
und
willkommen an der Uni Bochum, Berlin oder München.
In ein neues Land zu gehen, andere Menschen kennen zu lernen, war eine schwierige, aber richtige Entscheidung für deutsche Wissenschaftler.
Zurück zu kommen in die sichere Heimat, Dank der Initiativen von
GAIN
german academic international network
ist der Beweis dafür, dass das System Deutschland weltweit noch immer Vergleichbares sucht.
Die Förderung und die Fürsorge für die deutschen Wissenschaftler, sie als künftige Führungspersönlichkeiten in Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft und Politik im Geiste internationaler und interkultureller Erfahrungen weltoffen zu qualifizieren, zeigt, dass wir auf einem richten Weg sind, uns in einer globalisierten Welt weiter zu behaupten.
DRSB
Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
einen modernen Sozialstaat,
sichere, langfristige Arbeitsplätze,
sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,
sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
und für
korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.