Sie sind hier: » Archiv » Leitartikel 2009 » September 2009 » Leitartikel der Woche KW 37 » Deutsche Manager im Mobbingfokus? 
 

DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Heinrich Sternemann Hans - Josef Leiting

Düsseldorf, den 11. September 2009

 

 

Deutsche Manager im Mobbingfokus?

 

 

China ist ein großes Land mit unglaublichen Wachstumsmöglichkeiten. Deshalb hoffen in Zeiten der Wirtschaftskrise viele europäische Staaten auf den

Boom - Markt China.

Doch in China ticken die Uhren vollkommen anders als in Amerika oder Europa.

Denn in China kontrolliert der Staat immer noch die wichtigsten Großkonzerne und Banken und kann in der täglichen Praxis befehlen, wer und zu welchen Konditionen Aufträge, Vorteile oder Kredite erhält.

Ohnehin werden unangenehme Vorgänge, wie das Kopieren von westlichen Produktionsplänen oder das Ausmaß der Umweltverschmutzung bis hin zu den privaten Vergnügungen der chinesischen Topmanager zu Staatsgeheimnissen definiert.

So einfach läuft das Big - Business.

Dass die Geschäfte in der Volksrepublik riskant sind, beweist nicht erst die Festnahme von Managern des Erzgiganten Rio Tinto.

Der Fall zeigt lediglich, mit welcher Macht und rabiaten Methoden China seine ureigenen wirtschaftlichen Interessen durchsetzt.

So mancher deutsche Mittelständler, dem das Fell über beide Ohren gezogen wurde, kann davon ein Lied singen.

Ausgezogen, um billig zu produzieren und den Weltmarkt zu erobern, sind die meisten still und heimlich wieder unter den Schutz deutscher Gesetze nach Hause zurückgekehrt.

Bereichert durch die Erfahrung, dass die meisten ihrer Produkte als Billigkopien das ursprüngliche Geschäft torpedieren und nun chinesische Fabriken mit Raubkopien den Weltmarkt erobern.

Wer mit China Geschäfte macht, lebt im Regelfall gefährlich. Das erfuhr im Juni 2009  auch der Statthalter des australischen Rohstoffkonzerns RioTinto in Shanghai.

Unter dem Verdacht, Staatsgeheimnisse ausspioniert zu haben, wurden der australische Staatsbürger Stern Hu sowie drei seiner Mitarbeiter festgenommen.

Die Erfahrungen, die im Juli der Rio Tinto Konzern machen musste, sind kein Einzelfall.

Vielmehr deckt das Vorgehen der Chinesen die wachsenden Risiken auf, mit denen zukünftig westliche Unternehmen in China verstärkt zu rechnen haben.

Denn die Verhaftung des gebürtigen Chinesen Stern Hu schockierte nicht nur die westlichen Topmanager im asiatischen Riesenreich.

Weltweit ging eine Schockwelle der Angst durch die Topetagen der Manager und ließ  Konzernbosse aufhorchen. Damit hatte niemand bei den „freundlichen“ Chinesen gerechnet.

Sogar deutsche Autobosse, die gerade verstärkt über weitere Engagements in China nachdenken, wurden auf einmal nachdenklich.

Denn die Mächtigen in China packen zu einem Zeitpunkt zu, der den Verdacht auslösen muss, dass mehr aus wirtschaftlichen Motiven und viel weniger aus juristischen gehandelt wurde.

Man stelle sich einmal vor, VW - Boss

Martin Winterkorn

verhandelt mit chinesischen Partnern und wird aus Gründen der Staatssicherheit, weil er auf die Forderungen der Chinesen nicht eingehen konnte, in ein chinesisches Gefängnis, bei Wasser und Brot,  geworfen.

Unvorstellbar?

Genau dieses Szenario mussten die Manager des Rio Tinto Konzerns erleben, weil sich die chinesischen Staatskapitalisten durch die australische Absage tief gedemütigt fühlten.

Die Absage durch die Manager von Rio Tinto erfolgte nach heftiger politischer Debatte in Australien, denn die patriotisch ausgeprägten Politiker befürchteten den Ausverkauf ihrer Bergwerke an das rohstoffhungrige China.

Die Mächtigen in der Hauptstadt Peking weisen natürlich jeden Verdacht weit von sich und bestreiten, durch die Festnahmen Druck auf Rio Tinto ausüben zu wollen.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums warnt aber die Australier vor einer politischen Ausweitung des Vorfalls.

Selbst Bundeskanzlerin Merkel müsste in so einem Fall den VW - Boss

Martin Winterkorn

der Gerichtsbarkeit der Volksrepublik China überlassen.

Obwohl die Chinesen wenig zimperlich sind, wenn es um ausländische Interessen geht. Dass westliche Produkte in China illegal abgekupfert werden oder Hersteller von Staats wegen praktisch gezwungen werden, chinesischen Konkurrenten Technologien zu überlassen, gehört zum Alltagsgeschäft im Riesenreich des Boom - Marktes.

Schon die dubiosen Vorgänge um den Transrapid zeigten, dass auch Deutschland gezwungen ist, die Allmacht des chinesischen Staats zähneknirschend hinzunehmen. Solange auf dem lukrativen Zukunftsmarkt die olympische Devise

„dabei sein ist alles“

noch Gültigkeit hat, wird in Zukunft kein westlicher Topmanager es wagen, die Mächtigen in Peking durch vorlaute Kritik zu verärgern.

Im imaginären Beispiel von VW - Boss

Martin Winterkorn

müsste sich der Aufsichtsrat von VW nach einem neuen Firmenlenker umsehen.

Wie der DRSB e.V. es bereits 2001 richtig beschrieb, haben sich die

globalen Gewichte zugunsten Chinas

verschoben.

Hinzu kommt, dass die Prognose des DRSB e.V. bereits zur Realität wird, dass

die chinesischen Industrieplaner die nächsten Etappen ihrer großen Einkaufstour durchführen.

Mit dem gigantischen Devisenschatz von fast zwei Billionen US - Dollar schwimmt die Volksrepublik China, vergleichbar mit Dagobert Duck, geradezu im Geldspeicher.

Beijing Automotive Industry, ebenfalls ein Unternehmen, das die Pekinger Politiker kontrollieren warb  um die Adam Opel GmbH und hoffte auf eine fette deutschen Staatsbürgschaft.

Natürlich kann die Volksrepublik China nicht alle Wünsche sofort verwirklichen, aber der

Chinesische Staatsfonds CIC denkt heftig darüber nach, bei den deutschen Autokonzernen

Mercedes [ Daimler ] oder gar bei Porsche

und damit indirekt bei VW einzusteigen.

Erst jetzt wird den meisten DRSB - Lesern klar, warum die verantwortlichen Manager aus diesen Auto - Konzernen als Versager bezeichnet wurden.

Denn wenn langfristig die so genannte

China AG

völlig die Spielregeln verändern sollte, werden vermutlich Mercedes, VW und Porsche – Fahrzeuge in neuen chinesischen Fabriken hergestellt. Niemand glaubt doch, dass Manager wie Winterkorn, Wiedeking oder Zetsche in chinesischen Gefängnissen verrotten möchten.

Die alte Binsen - Weisheit scheint wieder einmal zu greifen:

„Wer das Geld hat, besitzt die Macht

und bestimmt wo sichere Arbeitsplätze neu entstehen dürfen “.

 

             

 

DRSB

 

Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie

für

einen modernen Sozialstaat,

sichere, langfristige Arbeitsplätze,

sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,

sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,

und für

korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.

 

 

             

 

Stand: 11.09.09

DRSB e.V.
Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Ikenstraße 8
40625 Düsseldorf
(Verwaltungssitz)
eMail: drsb@deutscher-rentenschutzbund-ev.de
Website: http://www.deutscher-rentenschutzbund-ev.de
Impressum

Wer wir sind
Links

Spenden für ein nutzmehrendes
deutsches Rentensystem