DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 30. Juli 2009
Kursverlust trotz Milliardengewinn?
Wie funktioniert so etwas?
Am Dienstag - den 28. Juli 2009 - war das große Augenreiben angesagt, denn Profi- sowie Privatinvestoren trauten weder ihren Augen noch ihren Ohren.
Die Aktie der Deutschen Bank brach ein.
Zwar meldete zuvor die Deutsche Bank für das zweite Quartal einen Milliardengewinn, weil das Investmentbanking wieder „so richtig gut“ florieren soll.
Trotz alledem watschten die Analysten die Aktie des deutschen Branchenprimus ab.
Die Aktie der Deutschen Bank verlor mehr als 5%.
Viele Bürger in unserer Heimat fragen sich nun:
Was steckt wirklich hinter den
herausposaunten Milliardengewinnen sowie den
überraschenden Kursverlusten?
Noch vor wenigen Wochen schienen die oftmals beschworenen Selbstheilungskräfte der Finanzmärkte in den USA, in England und letztendlich auch in Deutschland völlig zu versagen.
Banken und sonstige Finanzinstitute verloren täglich immer mehr das Vertrauen von Profi - Investoren, Privat - Investoren und Privatkunden.
Steuergelder und großzügige Subventionen vom Staat waren gefragt und sollten die Laune der Banker verbessern.
Noch am 17. März 2009 auf einer Podiumsdiskussion in Frankfurt zweifelte der Chef der Deutschen Bank an den Selbstheilungskräften der internationalen Märkte.
Zitat Josef Ackermann:
„Ich glaube hier nicht allein an die Selbstheilungskräfte der Märkte“.
Zitat Ende.
Die Auswüchse des so genannten
Investment - Banking
waren maßgeblich an der Auslösung der US - Finanz- und Wirtschaftskrise beteiligt.
Sie legten innerhalb von nur vier Monaten [ Ende 2008 - Anfang 2009 ] ein Armutszeugnis für die globale Bankenwelt ab.
Das noch anhaltende Bankensterben in den USA ist der allerbeste Beweis dafür.
Für die deutschen Banken wurden gigantische Rettungsmaßnahmen in Gang gesetzt und dadurch quasi den Bankern
„Freifahrtscheine“
für ihre risikoreichen Spekulationen ausgestellt.
Denn für das eigene Versagen wollte man in keiner betroffenen Bank die Verantwortung für die entstandenen Verluste übernehmen.
Wenn aber die Selbstheilungskräfte der Banksysteme nachhaltig versagen, hilft nur das Steuergeld der gutgläubigen Bürger aus unserer Heimat.
Zunehmend immer mehr Menschen in der deutschen Bevölkerung beginnen deshalb an den verantwortlichen Politikern zu zweifeln, die den Geldverbrennern auf Staatskosten wieder einmal unter die Arme gegriffen haben.
Warum helfen Politikern so schnell den Bankern?
Wieso versagen die Selbstheilungskräfte der Banken?
Warum werden erneut Verluste zu Lasten
der Bürger sozialisiert und spätere Gewinne wie immer privatisiert?
Ist Schuldbewusstsein bei den Akteuren Fehlanzeige?
Besonders solch lästigen Fragen nach der Steuergeld - Absicherung bezeichnen einige Banker intern sogar als unflätig.
Geht’s noch arroganter?
Aber immer!
Eigenes Versagen wird kategorisch auf den Topetagen der Banken ausgeschlossen.
Es waren mal wieder die Gier der Anleger sowie die Dynamik der Märkte, die Schuld sein sollten.
Bedauerlicherweise kann man diese anonymen Schuldigen nur schwerlich zur Verantwortung ziehen.
Für die meisten überraschend, hat die Deutsche Bank im zweiten Quartal einen Milliardengewinn eingefahren.
Unterm Strich verdiente man bilanziell von Anfang April bis Ende Juni 2009 rund
1,1 Milliarden Euro.
Noch vor einem Jahr waren es nur „magere“ 645 Millionen Euro.
Das von der Deutschen Bank ausgegebene Renditeziel von 25% vor Steuern verfehlten die Frankfurter Banker, denn lediglich der Boom an den Anleihemärkten bescherte der Deutschen Bank den kurzfristigen Auftrieb und spülte den Milliardengewinn in die Kassen.
Denn der Wermutstropfen, den diese „glänzenden“ Zahlen zum zweiten Quartal nicht deutlich zeigen, ist eine notwendige Versiebenfachung der Risikovorsorge.
Obwohl die Kreditvergabe im Euro - Raum im Juni 2009 um bemerkenswerte
35 Milliarden Euro gesunken ist, spiegeln sich die Risikovorsorge in den erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeiten der Kredite im Firmen- und Privatkundengeschäft wider.
Nach Einschätzung seriöser Wirtschaftswissenschaftler kündigen möglicherweise diese unvorhersehbaren Belastungen die zweite Welle der europäischen Finanzkrise an.
Vorerst floriert aber wieder das Investmentbanking, doch der Ausblick für den verbleibenden Rest des Jahres 2009 hängt davon ab, wie es mit der wirtschaftlichen Entwicklung in unserer Heimat und in Europa weitergehen könnte.
Es ist aus der Sicht von Deutsche Bank Chef Josef Ackermann verständlich, dass er trotz des Milliardengewinns zunächst ruhig und vorsichtig blieb.
Denn Josef Ackermann promovierte bei dem Geld- und Wachstumskritiker
Hans Christoph Binswanger,
der in seinem vielbeachteten Buch
„Geld und Magie“
die teuflischen Mechanismen der Geld- und Bankenwelt durchleuchtete.
Der Autor ruft in seinem Buch frühere Entdeckungen wieder in das Bewusstsein der Menschen und deutet in Anlehnung an Goethes „Faust“ die Wirtschaftsprozesse als Alchemievorgänge, die sich, wenn eine echte Wertschöpfung möglich erscheinen sollte, an keinerlei vernünftige Begrenzung mehr gebunden fühlen.
Hans Christoph Binswanger
verknüpft in seinem Buch geschickt die Szenarien der stets neugierigen Experimentierfreudigkeit der Alchemisten mit den sich bildenden Geldmärkten zu Goethes Zeiten.
In beiden Fällen versuchte man etwas Visionäres zu kreieren, denn aus wertlosen unterschiedlichen Ingredienzen sollten im besten Fall preiswertes Gold oder aus einfachem billigem Papier werthaltiges Geld als Zahlungsmittel werden.
Höchstwahrscheinlich hat Josef Ackermann sogar die Möglichkeit, in dem Buch des Schweizer Wirtschaftswissenschaftlers
„Die Wachstumsspirale“
nützliche Hinweise für das Versagen der oft beschworenen
„Selbstheilungskräfte“
der Finanzmärkte zu finden, die ihm den Kursverlust trotz Milliardengewinn erklärbar machen könnte.
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