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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Christian Hindahl Heinrich Sternemann

Düsseldorf, den 22. Juli 2009

 

 

Der mieseste Job der Welt?

Gerät jetzt auch die OVB in den Sog der Finanzkrise?

 

Die Marktmacht der Strukturvertriebsorganisationen in Deutschland wuchs ab der Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts von Jahr zu Jahr. Zunächst von Banken und Versicherungskonzernen als Drückerkolonnen verschmäht, sind sie heute aus den Köpfen von Vertriebsvorständen, ja sogar von Vorstandsvorsitzenden aus der Banken- und der Versicherungswelt nicht mehr weg zu denken.

Die meisten deutschen Strukturvertriebsorganisationen sind deshalb bereits schon lange Zeit Tochtergesellschaften von Banken oder Versicherungen.

Der deutschen Bevölkerung wird lediglich eine Unabhängigkeit vorgetäuscht, die gar nicht vorhanden ist.

Strukturvertriebsorganisationen

sind zur Haupt - Drehscheibe für die so genannten Finanzdienstleistungsprodukte mutiert.

Deren Ziel ist keinesfalls, die gutgläubigen Bürger optimal zu beraten, sondern die Tarife und Finanzdienstleistungs - Produkte der Muttergesellschaften in großen Massen an die Frau oder den Mann zu bringen. Nur dann erhalten die freiberuflichen Außendienstler Provisionen.

Da die Bezeichnung

Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler

den Strukkie - Bossen nicht erhaben genug erschien, erfanden sie Phantasienamen ohne Ende, damit das schlechte Image der Strukturvertriebsorganisationen übertüncht werden konnte.

Vermögensberater oder Anlageberater

klingt bei weitem nicht so abscheulich, wie Klinkenputzer, Strukkie oder Drücker.

Die Oberschlauen wollen sich vermutlich sogar unter dem Kunstbegriff

Finanzoptimierer

einen undurchschaubaren Mythos verleihen.

Doch nach wie vor sind die meisten Strukkies einfache Produktverteiler auf der Basis eines selbständigen Handelsvertreters und müssen zusätzlich ständig neue Unterverteiler anheuern, an deren Vertragsabschlüssen sie zum eigenen Überleben mitverdienen müssen.

Das oberste Ziel eines jeden Außendienstmitarbeiters in den

Strukturvertriebsorganisationen

besteht deshalb darin, frische neue ahnungslose Mitbürger anzuheuern und kontaktmäßig auszusaugen.

Erfahrungsgemäß werden dann nach ein paar Pseudoschulungen die neu gebackenen

Finanzoptimierer oder Vermögensberater

auf die deutsche Bevölkerung losgelassen, geblendet vom vermeintlichen Luxusleben der Strukturantreiber und mit traumhaft hohen Verdienstmöglichkeiten geködert.

So war es auch Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als ein gewisser

Otto Wittschier in Köln sein Unternehmen gründete.

Nach dem totalen Zusammenbruch der

Investors Overseas Services

[ kurz IOS genannt ]

und seinem Kurzabenteuer bei der Bonnfinanz mit Reinfried Pohl [heute Chef der DVAG], wollte der vormalige Regionalmanager der Investors Overseas Services auf Nummer Sicher gehen und rief mit Bert Schwarz und Bruno Tönnes die Kölner

Objektive Vermögens - Beratung"

[ kurz OVB genannt ]

ins Leben.

Den Namen leitete das Strukkie - Trio von der Vertriebsmetapher

„Organisation zur Vermittlung von  Bausparverträgen“

ab.

Doch bereits nach kurzer Zeit musste man nach einer verlorenen juristischen Auseinandersetzung den Namen

Objektive Vermögens - Beratung"

in das heute noch verwendete Kürzel

OVB

abändern.

Otto Wittschier

war von seinen zurückliegenden Erfahrungen geprägt und wollte deshalb ein seriöses Vertriebsmodell mit seinen Partnern auf den deutschen Markt etablieren.

Wie so oft im Leben scheiterte der aufrechte Unternehmer am Erwartungsdruck der Produktpartner sowie an der Geldgeilheit einiger Führungskräfte aus seinem Gründungskader.

Bedauerlicherweise verstarb

Otto Wittschier

im 06. August 2008 in seiner Salzburger Wohnung. Er war immer kollektiv und sozial eingestellt und gründete 13 Jahre nach dem Start der OVB im Jahr 1983 das

OVB - Hilfswerk Menschen in Not e. V.,

das in Deutschland tatkräftig viele soziale Projekte unterstützen konnte.

Das Manager Magazin schrieb im April 1993 über Otto Wittschier

Zitat Auszug:

„Bekannt ist seine Unfähigkeit, länger als zwei Minuten zuzuhören“.

Zitat Ende.

Ungeduldig war Otto Wittschier immer. Nichts konnte ihm schnell genug umgesetzt werden.

Wer diesen Pionier des deutschen Allfinanzgedankens wirklich persönlich kannte, der schätzte seinen dynamischen und konsequenten, aber stets menschlichen Führungsstil.

Sein langjähriger treuer Weggefährte Bruno Tönnes sagt noch heute mit Überzeugung

Zitat Auszug:

„Wir waren zusammen mit Bert Schwarz

trotz unterschiedlicher Charaktere ein erfolgreiches Triumvirat.

Wir haben uns mit unseren verschiedenen

Fähigkeiten optimal ergänzt - und das zur richtigen Zeit“.

Zitat Ende.

Auf Wunsch verkaufte Otto Wittschier bis 1995 seine gesamten Gesellschaftsanteile an der OVB Allfinanzvermittlungsgesellschaft mbH & Co. KG an einige Produktpartner und zog sich nach Österreich zurück.

Otto Wittschier

übergab die Führung der OVB an Helmut Maier, der zuvor als Vorstandsvorsitzender der Bonnfinanz AG agieren durfte.

Helmut Maier

gelang es nicht, die OVB diplomatisch zu führen und zu restrukturieren, so dass die Besitzerkonzerne bereits Ende 1999 den ehemaligen Vertriebsvorstand der Karlsruher Versicherung,

Michael Frahnert,

mit der Führung der Strukturvertriebsorganisationen beauftragten.

Der erfahrene Versicherungsmanager erkannte sofort, dass die Vertriebsorganisation, das Controlling und das Qualitätsmanagement sowie auch die Verwaltungsabläufe zu modernisieren waren.

Vor allem aber erkannte der bis zum 21. Juli 2009 amtierende OVB - Chef, dass die obsoleten Vergütungsregelungen für die Oberstrukkies auf Dauer einen qualitativ hochwertigen Vertriebsaufbau verhinderten und überlebungswichtige Umsatzsteigerungen in Deutschland nur mit großen wirtschaftlichen Anstrengungen durchzuführen seien.

Mit der Unterstützung seiner Gesellschafter gestaltete Michael Frahnert eine völlig neue Konzernstruktur und bildete ein Europaweites OVB - Netzwerk. 

Heute agiert die OVB Holding AG in 14 Ländern und steht als so genannte Managementholding an der Spitze des OVB Konzerns. Die Kernaktivitäten werden durch vier Servicegesellschaften unterstützt und stabilisiert.

Die geschätzten 4.300 hauptberuflichen Außendienstmitarbeiter versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Menschen in 14 Ländern Lösungen für Altersvorsorge und Versicherungsschutz anbieten zu können.

Leider gelingt dieses Vorhaben nicht immer, so dass die OVB auch schon einmal wegen

Falschberatung

verurteilt wurde und vergleichbar wie der AWD eine vollständigen Rückabwicklung vornehmen muss.

Zum Thema der

Falsch- oder Fehlberatung

berichtet der DRSB e.V. regelmäßig, so dass interessierte DRSB - Leser die Artikel nachlesen können.

Es gibt keinen Zweifel daran, man kann sich nicht nur auf die staatlichen Sozialsysteme verlassen, sondern muss seine Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen.

Ein Grund dafür, dass die OVB seit 1970 kontinuierlich in ganz Europa wachsen durfte. Doch hauptsächlich wuchs die Strukturvertriebsorganisation im Ost- und Mitteleuropa. Im Laufe der letzten Jahre verschob sich der Umsatzschwerpunkt, so dass heute nur noch knapp 35% der Umsätze in Deutschland getätigt werden.

Die Konzentration auf schnell wachsenden Vorsorgemärkte in Ost- und Mitteleuropa war eine wirtschaftlich nutzbringende Entscheidung, doch im Zuge der sich auswachsenden Finanzkrise zeigt sich deutlich, wie anfällig und zerbrechlich diese neuen Volkswirtschaften noch immer sind.

Der Bedarf an Vorsorgeprodukten ist nach wie vor sehr hoch, aber dahinschmelzende Einkommen können die notwendigen Gelder dafür nicht mehr aufbringen.

Somit ist auch die OVB in dem erwartungsgemäß schwierigen wirtschaftlichen Umfeld     

gelandet.

Während sich die Mitbewerber der OVB [ AWD, DVAG und MLP ] damit beschäftigen, Selbstauflösungsprozesse zu beschleunigen und als Organspender für Neugründungen von

Strukturvertriebsorganisationen

[ siehe zum Beispiel: FORMAXX oder FOUR GATES ]

zu dienen, beschränkt man sich in Köln schon seit Jahren darauf, Vertrieb und Umsatz in Deutschland nur noch in homöopathischen Dosen zu gestatten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bürger wesentlich mehr Wert auf kostengünstige Beratungs-  und   Produktqualität  legen. Der Markt hat sich hier deutlich verändert. 

Steht also die OVB

vor der Durchschreitung der Talsohle?

Sind die rückläufigen Ergebnisse nur eine Zeiterscheinung?

Hilft etwa eine verschärfte Kostendisziplin?

Wie weit schmelzen die

Umsatzanteile der Gesellschaften noch zusammen?

Wann wird die Schmerzgrenze erreicht sein?

Diese Fragen werden sich verantwortungsbewusste Manager in allen europäischen Versicherungskonzernen stellen müssen, denn die unsägliche Finanzkrise legte die eklatanten Schwächen von Strukturvertriebsorganisationen schonungslos offen. 

Jahrelang wurde wie unter Gaunern ohne Ehre das im Jahr 1977 erstellte Grundmuster für den Vertrieb der OVB kopiert und nach dem gleichen invaliden Strickmuster fleißig neue Strukturvertriebsorganisationen aus der Taufe gehoben.

Das Ergebnis ist immer das gleiche:

Das Geld der Bürger

sowie das Geld der Versicherer wird nutzlos verbrannt.

Objektive oder gar unabhängige Altersvorsorge oder Vermögensberatung wurden durch  Strukturvertriebsorganisationen zu keiner Zeit sichergestellt.

Es bedarf schon einer riesigen Portion Humor daran zu glauben, dass der äußerst  kostenintensive Strukturvertrieb jemals solche Leistungen für die deutsche Bevölkerung erbringen kann.

Objektiv

betrachtet hat möglicherweise die Kölner OVB die besten Voraussetzungen für eine grundlegende Reorganisation zur Nutzmehrung im Rahmen der Altersvorsorge für die europäischen Bürger.

Dafür müsste man von der Philosophie des Strukturvertriebes abrücken und für die vielleicht miesesten Jobs der Welt ein Ende finden.

 

             

 

 

DRSB

 

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Stand: 22.07.09

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