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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Christian Hindahl Heinrich Sternemann

Düsseldorf, den 10. August 2009

 

 

Status: Kassiererin

Trotz 400 Kunden am Tag immer Freundlichkeit und Tolerant

Seit dem der vermeintliche Sozialdemokrat

Wolfgang Clement

die neoliberalen Schleusen für prekäre Jobs öffnete, diskutiert man Land auf und Land ab über die fatalen Auswirkungen seiner Maßnahmen für Familien und Alleinstehende.

Eigentlich wie aus dem Nichts rückt ein bisher unauffälliger Berufsstand in das Licht der Öffentlichkeit.

Spätestens seit dem aufsehenerregenden Tatort über das Schicksal einer Kassiererin in Ludwigshafen wurde die Öffentlichkeit über die oft unzumutbaren Arbeitsbedingungen an der Kasse sensibilisiert.

Denn ohne den Beruf der

Kassiererin

würde im Einzelhandel nichts mehr laufen.

Dass oftmals die Arbeitsbedingungen der Kassiererinnen völlig unzumutbar sind, ist spätestens seit dem Überwachungsskandal bei der Firma Lidl allgemein bekannt.

Bis zu

400 Kunden am Tag und bis zu 30 Artikel in der Minute

erfordern die höchste Aufmerksamkeit bei stetig gleichbleibender Freundlichkeit.

Dabei reichen schon die Geräusche von modernen Scannerkassen aus, um einen Eindruck davon zu erhalten, welchem Stress Kassiererinnen täglich ausgesetzt werden. Einmal abgesehen von den anderen Belastungen und Anstrengung in diesem Job.

Ein

Stakkato undefinierbarer Geräusche

entsteht rund um die Kassensysteme, so dass man sich fragen muss, wie es den Kassiererinnen immer gelingt, diese Geräuschkulisse vollkommen auszublenden.

Am Schicksal von Kassiererinnen entzünden sich nun einen Monat vor der Bundestagswahl die Debatten über die Ausbeutung, denn man glaubte fest daran, die Arbeitssklaverei in Deutschland überwunden zu haben.

Bei einer solchen Dauerbelastung

lediglich 3 Minuten Pause pro Stunde zu haben, ist der wahre Hohn und menschenverachtend.

In der Logik der Arbeitgeber im Einzelhandel erscheinen womöglich die Angestellten eher als rechtloser und reibungslos funktionierender Teil der technischen Einrichtungen.

Status: Kassiererin!

Immer da, doch selten richtig wahrgenommen.

Plötzlich aber erscheint der weibliche Körper hinter der Kasse, allen Widrigkeiten zum Trotz, als selbstbestimmter, handelnder Mensch der Opfer des Neoliberalismus wurde. Obwohl der Arbeitsplatz an der Kasse der ideale Ort für die Mütter ist sich zwischen Haushalt und Kinder ein paar Euro zu verdienen. Viele Bürgerinnen arbeiten dort nur damit sie krankenversichert und bei der Rentenkasse gemeldet sind.

Von den

2,7 Millionen

Beschäftigten im deutschen Einzelhandel arbeitet ein Großteil an der Kasse im Foodbereich.

Bis 95% davon sind weiblich.

Ein meistens schlecht bezahlter Arbeitsplatz in dem umkämpften Markt der Lebensmittel und Dumpingpreise, der hohe Anforderungen an die dort Tätigen stellt.

Eine täglich schwere Arbeit ohne große Anerkennung.

Außer einer riesigen Portion Verantwortungsbewusstsein, wird

Toleranz, Freundlichkeit und absolute Konzentration

gefordert, damit kein Geld den Unternehmen verloren geht.

Und gerade dort im Einzelhandel werden aufgrund der US - Finanzkrise und des Versagens einiger Manager Woche für Woche Arbeitsplätze gestrichen.

Viele haben ihr Leben zwischen Kasse und Familie so eingerichtet, dass sie gerade einmal finanziell über die Runden zu kommen.

Damit scheint für tausende

fleißiger Kassiererinnen demnächst Schluss zu sein.

Die Bürgerinnen hinter der Kasse haben sich eine besondere Art der Menschenkenntnis zugelegt, um mit allem, was auf sie zukommt, schnell fertig zu werden und gute Laune zu verbreiten.

Diese besondere Art der Menschenkenntnis möchten zunehmend mehr von ihnen nutzen, wenn sie am 27. September vor der Wahlurne stehen.

Status: Kassiererin.

Vermutlich werden einige Politiker oder sogar Parteien darüber stolpern, wenn arbeitslose Bürgerinnen mit einer besonderen Art der Menschenkenntnis ihre Wahlstimme zu vergeben haben.

 

             

 

DRSB

 

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Stand: 10.08.09

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