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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky • Andreas Kallen • Hans - Josef Leiting

Düsseldorf, den 25. Februar 2008

 

 

Die Nachwehen der US - Kriege
- Teil 20 -

 

 ALBA

Macht die lateinamerikanische Erfolgsformel

Hugo Chávez

bereits heute schon zum gefährlichsten Gegner der USA?

 

 

An einem 11. September ändern mehrere Flugzeuge plötzlich ihren Kurs und jagen direkt auf das Stadtzentrum zu.

 

Kurze Zeit später hört man Explosionen, bersten Fassaden, Häuser stehen in Flammen, Autos fliegen durch die Luft und tote Menschen liegen auf den Straßen. Überall rennen Menschen in panischer Angst um ihr Leben.

 

Die US - Medien übertrugen die Tragödie live.

 

New York, 2001?

Nein,

Santiago de Chile, 1973.

 

Mit der tatkräftigen Hilfe der USA putscht

 

General

Augusto Pinochet

 

gegen den demokratisch gewählten sozialistischen

 

Staatschef

Salvador Allende.

 

General Pinochet lässt die chilenische Luftwaffe den Präsidentenpalast angreifen. Es ist der Beginn einer 17 Jahre währenden

 

Militärdiktatur,

 

in der Tausende chilenische Bürger gejagt, gefoltert und getötet wurden.

 

Befürworter und tatkräftiger Unterstützer des Staatsstreiches ist der damals frisch ernannte US - Außenminister

 

Henry Kissinger.

 

Frei zugängliche US - Dokumente legen heutzutage davon Zeugnis ab. Es sollte nicht die einzige Menschenrechtsverletzung gewesen sein, in die

 

Henry Kissinger

 

verwickelt gewesen sein kann.

 

Der ehemalige US - Außenminister wechselte dadurch womöglich von einer politischen Lichtgestalt in den

 

Schatten der Kriegsverbrechen.

 

 

Der in Deutschland gebürtige

 

Heinz Alfred Kissinger

- Henry Alfred Kissinger -

 

war von 1969 bis 1973  Nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten von Amerika und von 1973 bis 1977 US - Außenminister.

 

1973 erhielt er, für viele Beobachter des Szenarios vollkommen überraschend, den Friedensnobelpreis für ein Friedensabkommen mit Vietnam, obwohl die Kriegshandlungen noch nicht beendet waren.

 

Als Nationaler Sicherheitsberater von

 

US - Präsident

Richard Nixon

 

verfasste 1970 der deutschstämmige Politikwissenschaftler eine Denkschrift zu den demokratischen Entwicklungen in Chile.

 

Auszug aus der Denkschrift:

Das Beispiel einer erfolgreichen gewählten marxistischen Regierung

in Chile hätte sicherlich einen Einfluss auf - und womöglich sogar eine Vorbildwirkung für - andere Teile der Welt, besonders Italien.

Die Ausbreitung ähnlicher Phänomene durch Nachahmung

würden ihrerseits das Weltgleichgewicht und unsere eigene

Position innerhalb desselben signifikant beeinträchtigen.

Auszug Ende.

 

Die auf hohem intellektuellem Niveau erstellte Kissinger - Denkschrift sagt nur mit anderen „diplomatisch“ geprägten Worten:

 

Salvador Allende

 

muss sofort eliminiert werden, bevor über Italien, Spanien oder Frankreich sein erfolgreicher, demokratischer neuer Weg auch in Deutschland Schule macht und greift.

 

Damit ist die Kissinger - Denkschrift nicht nur entlarvt,

sondern zeigt in aller Deutlichkeit auf, welche Konklusionen die Politiker damals wie heute in Washington zogen.

 

Bereits schon ab 1960 sahen verängstigt die mächtigen, neoliberal und korporatistisch ausgerichteten 250 Familien in den USA im

 

demokratischen Sozialismus

 

eine viel größere Gefahr, als im

 

totalitären Kommunismus.

 

Denn der Kommunismus war sehr leicht zu desavouieren und zu diskriminieren, sodass man mit äußerst einfachen rhetorischen Mitteln die kommunistischen Ideologien verunglimpfen und gezielt zum extrem bösen Feindbild langfristig aufbauen konnte.

 

Politikwissenschaftler, wie zum Beispiel auch Henry Kissinger, versuchten mit dem Beginn der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, mit einer erschreckend primitiven Taktik den aufkommenden

 

demokratischen Sozialismus und Developmentalismus

 

mit dem brutalen System des Stalinismus gleichzusetzen. Die US - Politiker hegten die fatale Hoffnung, dass man mit solch hinterlistigen Methoden die völlig klaren Unterschiede zwischen den Weltanschauungen vernebeln und verwischen könnte.

 

Das aktuelle Bush - Management nutzt noch heute diese total veralteten dubiosen Methoden der Chicagoer Schule und versucht quasi jede Form von

 

Opposition mit Terrorismus

 

zu vermischen, damit die Bürger ordentlich geschockt werden können und in ständiger Angst leben müssen.

 

Damals aber führte der von der CIA finanzierte und gesteuerte Propagandakrieg dazu, dass der demokratisch gewählte

chilenische Staatschef

Salvador Allende

 

quasi als ausbeutender Diktator im kommunistischen Stil hingestellt wurde, sodass die USA den Militärputsch in Chile besser politisch legitimieren konnte.

 

Augrund der Veröffentlichung der CIA - Dokumente reichten am 11. September 2001, dem

 

28. Jahrestag des Pinochet - Putsches,

 

Rechtsanwälte einer chilenischen Menschenrechtsorganisation Klagen gegen die Beteiligten der Verschwörung

 

Henry Kissinger,

Augusto Pinochet,

Hugo Banzer,

Jorge Rafael Videla

und

Alfredo Stroessner

ein.

 

Die Familie des bereits 1970 ermordeten chilenischen

 

Generals

René Schneider

 

erhob zeitgleich beim Supreme Court in Washington, D. C. eine Zivilklage gegen

 

Henry Kissinger.

 

Darin wird sehr konkret und detailliert dem ehemaligen US - Sicherheitsberater vorgeworfen, den Befehl zur Beseitigung von

General

René Schneider

 

gegeben zu haben. Der General weigerte sich standhaft, den von der US - Regierung geplanten Militärputsch zu unterstützen. Das brutale Attentat auf General Schneider war Bestandteil der

Operation Fubelt,

 

deren ausschließliches Ziel die Beseitigung der demokratischen gewählten chilenischen Regierung durch den Militärputsch war.

 

Die Idee und der Traum, für die der Demokrat

Salvador Allende

kämpfte und eintrat, konnte aber nicht besiegt werden.

 

Durch den totalen politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch des argentinischen Staates im Jahr 2001 erwachte der Kampf gegen Korporation und Privatisierungswahn erneut und wurde zum wichtigsten Thema der lateinamerikanischen Staaten.

 

Die von Henry Kissinger, in seiner 1970 verfassten Denkschrift, so sehr gefürchtete

 

Ausbreitung durch Nachahmung

 

eines demokratischen Sozialismus hat ab 2006 weltweit zu einem Domino - Effekt geführt.

 

Ab Ende 2006 gewannen in lateinamerikanischen Staaten ausschließlich Kandidaten, die sich den

demokratischen Sozialismus

 

auf ihre Fahnen geschrieben hatten:

In

Brasilien

Präsident

- Luiz Inácio Lula da Silva -,

Bolivien

Präsident

 

- Evo Morales -,

Ecuador

Präsident

- Rafael Corea -,

Chile

Präsidentin

 - Michelle Bachelet -

und in

Venezuela

Präsident

- Hugo Chávez -.

 

Zum wirksamen Schutz gegen Interventionen der USA haben sich die vorgenannten lateinamerikanischen Staaten zu einem Unabhängigkeitspakt zusammengeschlossen.

 

Die

ALBA

Alternativa Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América

- Bolivianische Alternative für die Völker unseres Amerika -

 

ist eine direkte und konsequente Antwort auf die von den USA inszenierte

 

Free Trade Area of the Americas.

 

Auch durch ALBA musste die USA bereits ihren korporatistischen Fiebertraum von einer Freihandelszone, die ursprünglich von Alaska bis Feuerland reichen sollte, begraben.

 

Strategisch geschickt befreien sich die ALBA - Staaten von den neoliberalen und korporatistischen Fesseln der USA.

 

Kredite aus dem US - Knebelinstitut

 

IWF

 

werden systematisch zurückgeführt und nicht mehr neu aufgenommen.

 

Nicht nur die ALBA - Staaten, sondern auch Costa Rica, Uruguay und Argentinien entsenden keine Studenten mehr auf das

 

Western Hemisphere Institute for Security Cooperation

vormals

- School of the Americas -,

 

denn in dem berüchtigten polizeilich - militärischen US - Ausbildungszentrum in Fort Benning im US - Bundesstat Georgia, wurden junge lateinamerikanische Bürger so zusagen „abgerichtet“, US - amerikanische Interessen in ihren Heimatländern rücksichtslos um- und durchzusetzen.

 

Selbst die US - Universitätsstädte

 

Boston, Chicago, Dallas, Washington und gerade New York

 

stehen auf dem Prüfstand der ALBA - Staaten. Man möchte dadurch sicherstellen, dass Bürger aus den ALBA - Staaten nicht mit korporatistischem Gedankengut verseucht werden.

 

Der Nutzungsvertrag für die US - Militärbasis in der ecuadorianischen Hafenstadt Manta wird nach dem Auslaufen im Jahr 2009 nicht verlängert.

 

Venezuelas Präsident

 

Hugo Chávez

 

dreht höchstwahrscheinlich den Ölhahn dauerhaft ab und setzt damit wieder seinen Lieblingsfeind, die USA, erheblich unter Druck.

 

Weiterhin planen die ALBA - Staaten ihre sonstigen Bodenschätze an die USA nur noch gegen gleichwertige Leistungen abzugeben.

 

ALBA

ist schon jetzt die lateinamerikanische Erfolgsformel

und bietet auf Dauer Schutz vor dem Korporatismus der USA.

 

             

 

 

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