DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Andreas Kallen • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 31. Oktober 2008
Jede gesellschaftliche oder politisch korrekte Analyse der amerikanischen Lebensart lässt sich nicht nur auf das Eigenporträt von
God´s Own Country
reduzieren. Man sollte zwar nie vergessen, dass am Anfang der anglo - amerikanischen Gesellschaft die Religion im Vordergrund stand, doch deshalb verschmilzt die Religion noch lange nicht mit allen nationalen Bräuchen und patriotischen Empfindungen der amerikanischen Bürger. In den USA hat die Religion sich quasi selbst Grenzen gesetzt und dadurch bleibt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens die religiöse Ordnung auch strikt getrennt von der angestrebten politischen Ordnung. Der patriotische Prediger
George Walker Bush
sucht vermutlich eine besondere Art der geistigen Kontinuität mit der amerikanischen Gründungsidee herbeizuführen und beruft sich wahrscheinlich deshalb des öfteren auf allmächtige Wesen, die über das Universum herrschen. Dabei tritt der US - Präsident gerne in die Fußspuren von Freimaurerlogen, deren holzschnittartige Bibelfestigkeit auf dem Glauben der puritanisch - calvinistischen Pilgerväter aufbaut. Der unerschütterliche Messianismus von
George Walker Bush
ist im Laufe seiner Amtsperioden nicht nur für viele Europäer, sondern auch für die meisten Amerikaner zum Ärgernis geworden. Die Schaffung einer neuen Weltordnung sowie die Vernichtung des Bösen lediglich auf einen göttlichen Auftrag zurückzuführen, verlangt weltweit vielen Menschen den höchsten Grad an Verwunderung ab. Höchstwahrscheinlich sind die beiden Ufer des Atlantiks auch gerade deshalb in der wechselseitigen verständigen Kommunikation auseinandergerückt.
Aufgrund des schlechten Bildungsniveaus sowie des damit einhergehenden mangelnden Geschichtsverständnisses der breiten Masse neigen die US - Bürger dazu, Begriffe wie
Demokratie oder Faschismus
in vereinfachende „Alles - oder - nichts“ Kategorien einzuteilen. Faschismus ist sogar in Kreisen von US - Politikwissenschaftler ein Begriff, über dessen Definition sich selbst die intelligenten Akademiker vortrefflich streiten. In Bostoner Studentenkreisen macht vermutlich auch deshalb der folgende politische Witz regelmäßig seine Runde:
„Sollte jemals der
Faschismus nach Amerika kommen, dann zweifellos ausschließlich unter dem hoffnungsvollen Etikett des Antifaschismus“.
Dabei vergessen oder übersehen diese Sprücheklopfer, dass die USA selbst schon einmal einen heißen Flirt mit dem Faschismus hatten. Als nämlich in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die USA unter der Weltwirtschaftskrise litten und von ständig auflodernden Arbeiteraufständen erschüttert wurden, schauten US - Politiker mit wachsendem Interesse auf die scheinbare Disziplin und Ordnung am anderen Atlantikufer. Viele Großunternehmerfamilien und etliche Zeitungsverleger waren fasziniert vom „harmonischen“ Zusammenwirken von Kapitalismus und Faschismus. Die damals wie heute schwer angeschlagene Nation lechzte geradezu nach einer starken Führungspersönlichkeit für Amerika. Die damalige Form des US - Faschismus hatte in allen Bundesstaaten zahlreiche glühenden Anhänger. Sogar prominente Bürger, wie zum Beispiel der Luftfahrtpionier
Charles Lindbergh,
fühlten sich zu dieser politischen „Spielart“ hingezogen. Liest man zeitgenössische Zeitungskommentare, stößt man unweigerlich auf Artikel, die belegen, dass eine Vielzahl von Intellektuellen die Zeit für gekommen hielten, einen eigenen faschistischen US - Stil zu prägen.
Das Feuer der Begeisterung für den Faschismus loderte so hoch, dass selbst der bekannte US - Schriftsteller
Sinclair Lewis
sich genötigt sah, in seinem 1935 erschienen Buch
„Das ist bei uns nicht möglich“
dem immer stärker werdenden US - Faschismus mit beißender Ironie zu begegnen. Bedauerlicherweise verstanden die meisten Amerikaner seine Warnungen vor den faschistischen Gefahren nicht und fanden den Roman einfach nur total lustig. Niemand in den USA dachte auch nur ansatzweise über die Verführungen und Folgen dieser politisch höchst gefährlichen „Spielart“ nach.
Aber faschistische Verschiebungen kommen anfänglich erst einmal in der Verkleidung des Autoritarismus daher und werden ohne große Gegenwehr von den Bürgern akzeptiert. Da die Amerikaner dazu neigen, ihre Form der Demokratie als etwas zu betrachten, was auf ewige Zeiten unvergänglich ist, bemerken sie Einschränkungen und Beschneidungen ihrer Freiheit zu spät.
Die patriotische Sicht der meisten US - Bürger ermöglichte im September 2006 die Annahme des Gesetzes zur Einsetzung von Militärkommissionen,
MCA
Military Commissions Act,
die die gesellschaftliche wie auch die politische Situation in den USA grundlegend veränderte. Dieses neue Gesetzeskonstrukt schaffte für alle US - Bürger eine komplett verlagerte juristische Realität. Sie verleiht jedem US - Präsidenten das Recht, ein separates Justizsystem für Verhandlungen gegen
unlawful enemy combatans - ungesetzliche feindliche Kämpfer -
einzusetzen. Im neu erschaffenen „innovativen“ MCA - Rechtssystem fehlen alle grundlegenden Rechte, die in demokratischen Staaten Angeklagte vor Willkür schützen.
Der
MCA
Military Commissions Act
enthält eine Fülle von juristisch definierten Regeln, die das Militär möglichst einhalten soll. Wenn aber die aufgestellten Regeln nicht beachtet werden, wird es quasi unmöglich, irgendjemanden dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Das separate MCA - Rechtssystem kann zum Beispiel im Rahmen der Beweisermittlung, bei so genannten
„scharfen Verhören“,
archaische Foltermethoden anwenden und eröffnet damit die Möglichkeit, sich völlig außerhalb normaler Rechtssysteme zu bewegen. Damit ist es noch lange nicht genug, denn jeder US - Präsident und dessen Handlanger können für sich das Recht in Anspruch nehmen, nach Gutdünken beliebig viele US - Bürger zu feindlich gesinnten Kombattanten zu erklären und sie dadurch der herkömmlichen zivilen Gerichtsbarkeit zu entziehen. Der Exekutive wird mit MCA die Macht verliehen, jeden US - Bürger ohne erkennbaren Grund auf der Straße oder jedem anderen beliebigen Ort zu verhaften und ohne Rechtsverfahren in ein Militärgefängnis zu überstellen. Dieses Recht stand davor zuletzt den Angehörigen der SS und der Stasi zu.
Der Begriff
„feindlich gesinnter Kombattant“
mutiert zum reinen Statussymbol für jeden US - Präsidenten. Denn wer so bezeichnet wird, ist dann quasi für immer ein „feindlich gesinnter Kombattant“ und hat kaum noch eine faire Chance, aus der Gefängnismaschinerie des US - Militärs zu entkommen.
Die meisten US - Bürger haben bis heute nicht verstanden, welch teuflisches Machwerk ihnen ihr eigener Kongress beschert hat und wie ihre Grundrechte brutalst beschnitten wurden. Auch die meisten Touristen, die die USA besuchen möchten, werden natürlich nicht über diese extrem gefährliche Möglichkeit der Politiker aus Washington informiert.
Ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt uns, dass ein Übergang zum Faschismus niemals analog einer Diagonalen verläuft, die gleichmäßig ansteigt, sondern mit zahlreichen kleinsten Angriffen auf die freiheitliche Demokratie einhergeht, bis dann irgendwann der kritische Wendepunkt erreicht ist. Für einige wenige kritische Intellektuelle in den USA sind die Mächtigen aus Washington eifrig dabei, langsam, still und leise auf eine perfide, eloquente Art und Weise den Wendepunkt zu knacken. Mit der so genannten Braunhemden - Mentalität des dritten Reiches haben solche Entwicklungen nicht das Geringste zu tun, weil bis zum Wendepunkt die meisten US - Bürger das Szenario für einen freiheitlich patriotischen Vorgang halten. Denn Einschüchterungen, willkürliche Verhaftungen und Folter sind aus der Sicht vieler Amerikaner ausschließlich Methoden der tyrannischen Adeligen aus dem alten Europa des 18. Jahrhunderts.
Das Hauptproblem liegt im Anschein der Normalität in der frühen Phase einer möglichen faschistischen Machtverschiebung.
Sollten die kritischen Stimmen in den USA Recht behalten, könnte wahrscheinlich ein neues Amerika entstehen, das wesentlich stiller und ängstlicher sein wird.
Doch stille und ängstliche US - Bürger bedeuten das Ende des freiheitlichen Traums der amerikanischen Nation. Die wirkliche Fäulnis findet immer im Zentrum der Macht statt.
Angst ist die Grundlage der meisten Diktaturen.
Angst ist ein schäbiges und brutales Gefühl
und macht aus allen Menschen, in deren Geist sie herrscht,
elende, hilflose Bürger.
Kein freiheitsliebender Demokrat
wünscht so etwas den amerikanischen Bürgern.
DRSB
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