DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Andreas Kallen • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 07. November 2008
- überdehnt -
Beim Verzehr von holländischen Agrarprodukten, wie Käse, Tomaten oder Milch, denkt niemand daran, dass die Niederlande einmal ein ernst zunehmendes Kolonialreich waren. Wenn heute noch weltweit mehr spanisch als englisch gesprochen wird, ist das der Hinweis auf ein ehemals erdumspannenden Kolonialbesitz der Spanier.
Der abgedroschene Witz von englischen Marinesoldaten:
„Tastes salty - must be British“
- Schmeckt salzig - muss britisch sein -,
wenn sie einmal wieder die Weltmeere befahren dürfen, vorausgesetzt die englische Regierung genehmigt noch solche teuren Einsätze, soll womöglich daran erinnern, dass das britische Empire einst die Ozeane der Erde beherrschte.
Kaum jemand denkt darüber nach, wenn in Deutschland neu gebaute Moscheen der Namenszusatz
Fatih
verliehen wird, der auf den osmanischen Sultan Mehmet II zurückzuführen ist, der das oströmische Imperium in Konstantinopel - heute Istanbul - im Jahr 1453 besiegte und auslöschte. Fatih bedeutet „der Eroberer“ und soll vermutlich beharrende Kräfte bei allen Muslimen freisetzen. Denn die ehemalige christlich geprägte römische Bastion am Bosporus hatte tatsächlich mehr als eintausend Jahre Bestand und wird bei der geschichtlichen Auflistung der imperialen Mächte oftmals vergessen. Völlig anders agierten vor mehr als drei hundert Jahren unsere österreichischen Nachbarn. Auf dem Gipfel der Habsburger Imperialmacht verbreiteten sie den politisch anmaßenden Slogan:
AEIOU
- austrie est imperare orbi universo -
- alles irdische ist Österreich untertan -.
Das unrühmliche Ende der Habsburger ist womöglich vielen Bürgern in Deutschland bekannt und zeigt heute noch auf, wie imperiale Mächte auf ihre angemessene Größe und Bedeutung regelrecht zurückgeschrumpft werden.
Politische, wirtschaftliche, religiöse und auch häufig intellektuelle Fehlleistungen und Fehlentwicklungen sowie überzogene geographische Anspruchshaltungen, die meistens in unlösbaren Regionalkonflikten endeten, waren in den meisten Fällen für den Niedergang dieser Imperien verantwortlich.
Ohne den geringsten Zweifel gehörte das zwanzigste Jahrhundert der Imperialmacht USA, insbesondere nach dem sich die ehemalige Sowjetunion von der Weltbühne verabschiedet hatte. Der Jahrtausendwechsel offenbarte die Grenzen der amerikanischen Macht und Leistungsfähigkeit und zeigt wie sich die weltpolitischen Entwicklungen stetig, aber unaufhaltsam in den pazifischen Raum verschieben. Ausgelöst durch das arabische Desaster der US - Politik erleiden die USA seit Jahren Rückschlag auf Rückschlag, ohne hieraus heilsame Lehren zu ziehen.
Wie denn auch?
Wer im neunzehnten Jahrhundert ohne größere Gegenwehr im eigenen Land vom Atlantik bis zum Pazifik die Ureinwohner Amerikas quasi auslöschte und im totalen Eroberungswahn auch noch das mexikanische Staatsgebiet halbierte, sowie im zweiten Weltkrieg auf Japan Atombomben warf, hält sich womöglich für unbesiegbar.
Weltweit wird schon seit Jahrzehnten - offen oder verdeckt - über den Niedergang und den Fall der USA diskutiert und spekuliert. Durch die jüngsten dramatischen Ereignisse im US - Heimmarkt und auf den weltweiten Finanzmärkten erhält diese Diskussionsbasis über
decline and fall
- Niedergang und Fall -
der Hegemonialmacht Amerika wieder neue starke Nahrung. Noch nie wurde die imperiale Macht der USA so heftig erschüttert wie in den letzten Wochen. Überraschend lässt jede Analyse der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen nur den einzigen Schluss zu:
Die amerikanische Imperialmacht steht vor ihrem unrühmlichen Ende.
Die ständige Überdehnung der militärischen Möglichkeiten und die gefährliche Finanz - Überstreckung an den amerikanischen Börsen führte zur einer Überbeanspruchung der gesamten Nation sowie der vermeintlichen wirtschaftlichen Fähigkeiten. Die USA besitzen keinesfalls eine überlegene oder gar unschlagbare Wirtschaft. Genau das Gegenteil ist der Fall und konnte nur durch das Aussaugen der westeuropäischen Partner wenige Jahre verschleiert werden. Weltweit erfahren die Menschen nun Häppchenweise die Wahrheit, die der DRSB e.V. seit 1988 umfangreich beschrieben hat.
Der Verlust des imperialen Machstatus wird natürlich die Mächtigen in Washington sehr schmerzen, so dass in den kommenden Monaten damit zu rechnen sein wird, dass die USA ein mediales Feuerwerk abbrennen, das ihren Machtanspruch dokumentieren soll. Dieses letzte hegemoniale Strohfeuer wird vermutlich auch von den deutschen Medien aufgegriffen und verbreitet werden. Nützen wird es nichts mehr, denn die Realitäten können dadurch nicht zu Gunsten der USA verschoben werden.
Das angehäufte politische Geröll wird gnadenlos jeden noch aufkeimenden
US - Machtanspruch überrollen. Und all die netten Menschen, die in Europa und Deutschland den USA willfährig zu Diensten waren, müssen sich nun schleunigst umorientieren. Die damit verbundene Aufdeckung und Darstellung der Wirklichkeit kann diese Helfer aber auch sehr leicht in die Rolle von Staatsschädigern drängen, so dass eine späte Einsicht keinerlei Basis mehr für eine Neuorientierung zulassen kann. Wie sagte der Russe Gorbatschow treffend:
„Wer zu spät kommt, den straft das Leben“.
Diejenigen, die dann noch immer sklavisch an die dynamischen Erneuerungsfähigkeiten der USA glauben, werden den schnellen Niedergang und den Fall der Imperialmacht USA nicht verstehen können, weil höchstwahrscheinlich ihre Vorstellungen von den verbleibenden Möglichkeiten der Amerikaner schon heute völlig
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