DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Hans - Josef Leiting • Heinrich Sternemann
Düsseldorf, den 22. Januar 2010
Obdachlose Helden
Hofiert, gefeiert, verraten und vergessen
Es herrscht immer Aufbruchsstimmung in den Standorten der US - Armee, wenn wieder neue Truppenteile in den Irak oder nach Afghanistan geschickt werden. Wer bereit ist, für sein Land zu kämpfen, wird wie ein Held in die Hölle des Krieges verabschiedet.
Amerika ist in dieser Beziehung noch immer unschlagbar, obwohl die Angehörigen der Soldaten zwischenzeitlich sehr genau wissen, welche Gefahren auf ihre Töchter und Söhne im Irak und in Afghanistan warten.
Verwundung, Verstümmelung und der Tod.
Da freuen sich Mütter, Väter und Geschwister, danken Gott, wenn ihre Töchter und Söhne oder Schwestern und Brüder unversehrt aus dem Kriegseinsatz in die Heimat zurückkehren.
Unversehrt?
Es ist schon ein großes Glück, aus Kriegsgebieten lebend und vollständig wieder in Frieden im eigenen Land leben zu dürfen.
Keine Sprengfallen, keine Minen und keine Selbstmordattentäter.
In Ruhe einmal wieder durchschlafen ohne Mörserfeuer, ohne Raketenbeschuss und ohne die Gefährdung auf der nächsten Patroullienfahrt.
Anfürsich müsste man davon ausgehen, dass die Zurückgekehrten dann wieder zufrieden und glücklich sein können.
Doch weit gefehlt, denn schon nach dem Vietnam - Desaster wurde erkennbar, dass Menschen, die aus Konfliktgebieten zurückkamen große Probleme hatten, das Erlebte zu verarbeiten.
Viele Soldaten mussten mit ansehen, wie Kameraden Arme und Beine abgesprengt wurden oder Freunde starben.
Täglich war man gezwungen, um sein eigenes Leben zu retten, andere umzubringen.
Man blickte quasi jede Sekunde,
jede Minute, jede Stunde dem Tod ins Auge.
Wieder zuhause in der geliebten Heimat fühlen sich die meisten amerikanischen Soldaten von ihrer Nation und von ihrem Präsidenten, für die sie im Irak und in Afghanistan ihr Leben riskierten, verraten.
Viele stellen sich die bohrenden Fragen:
„Ich habe mein Bestes gegeben,
ich habe für mein Land gekämpft - warum kann mein Land mir so etwas nur antun?“
Mit Orden hoch dekoriert, diagnostizierten Fachärzte bei vielen Rückkehrern ein so genanntes
posttraumatisches Stress - Syndrom
[ PTSD ].
Fast jeder fünfte amerikanische Soldat, der in echten Kampfeinsätzen war, leidet an solchen Traumaschäden. Die wahre Quote bei den Vietnam - Veteranen wurde angeblich niemals ermittelt. Vermutlich befürchteten die Mächtigen in Washington zu hohe Rentenansprüche.
Es ist deshalb kein großes Geheimnis, dass die meisten Heimkehrer aus dem Irak und aus Afghanistan mit starken Antidepressiva ruhig gestellt werden.
Doch auch solche vorsorglichen Therapien wirken nur äußerst begrenzt, denn wenn die
Angstzustände und Wutanfälle zurückkehren, helfen die Pillen nicht mehr weiter.
Eine wachsende Anzahl der Soldaten muss arbeits- oder sogar erwerbsunfähig geschrieben werden.
Nun sind die USA nicht gerade für ihre fürsorglichen Sozialleistungen bekannt, so dass die meisten Geschädigten monatelang und manchmal auch Jahre auf die mildtätige Zuweisung einer Invalidenrente warten.
Oftmals sogar völlig vergeblich.
Das marode System der USA lässt auch hier seine „Kinder“ im Stich.
Hofiert, gefeiert, verraten und vergessen.
Traut man als Europäer noch den veröffentlichten Zahlen, die das
National Coalition for Homeless Veterans
festgestellt haben will, so haben rund
500.000 US - Kriegsheimkehrer
kein festes Dach mehr über dem Kopf. Diese von der Gesellschaft verstoßene Randgruppe gehört zu der am schnellsten wachsenden Obdachlosengruppe in den USA.
Insider allerdings beziffern seit 2008 diese Randgruppe auf mehr als eine Millionen Menschen, die von diesem Schicksal betroffen sind.
Fast die Hälfte davon sollen kranke, verstümmelte und seelisch behinderte, in Armut gealterte Vietnamveteranen sein.
Nach den intensiven Recherchen des DRSB e.V. hören viele dieser bedauernswerten Menschen jede Nacht das gleiche Knallen von Granaten und Bomben. Schweißgebadet wachen viele von ihnen mehrmals in der Nacht auf und wissen zunächst nicht, wo sie sind.
Auf Nachfrage zeigen immer wieder einige ihre Ehrenzeichen und Orden, die sie für ihre tapferen Einsätze erhielten.
Ein festes Dach über dem Kopf oder etwas Nahrhaftes zu essen, gibt es dafür nicht.
Eindeutige Aussagen prägen die Stimmung:
„Nie wieder Irak, nie wieder Afghanistan, nie wieder Krieg“.
Wer das Elend dieser Menschen sieht und miterleben musste, wie
großkotzige Sozialarbeiter
diese Mitmenschen um einen warmen Schlafplatz betteln lassen, der kann seine Tränen nicht zurückhalten.
„Yes we can“.
Auch das ist noch heute das wahre Amerika - ein Land, das seine Helden verkommen lässt und vergisst.
Niemand hilft diesen Menschen, die in vielen Fällen ihre Familien verloren haben, weil sie Frauen und Kinder nicht mehr ernähren konnten.
Solche Szenen findet man in keinem Privatsender und in keinen Zeitungen. Und natürlich berichten die Korrespondenten von ARD und ZDF viel lieber vom Glanz aus Washington und vom amerikanischen Traum vom Wohlstand.
Obwohl gemäß der vorliegenden Informationen es den einen oder anderen Aufgeweckten geben soll, der die Elendsszenarien kennt. Doch diese Schreckensbilder von den Nachwehen der Kriegseinsätze passen offensicht nicht zum gestriegelten Bild unseres Barons im Verteidigungsministerium.
30.000 zusätzliche US - Soldaten für Afghanistan sind gleichzeitig 30.000 potentiell traumatisierte Kriegsveteranen, um die sich auch im nächsten Jahr niemand mehr kümmern wird.
Viele von ihnen enden in Armut, Obdachlosigkeit und Elend, denn die Betreuung durch die Armee oder die zivilen Einrichtungen in den USA ist skandalös.
Barack Obama
schickt zwar immer mehr Amerikaner in die Kriegshöllen aber ändert nach ihrer Rückkehr wenig daran, die Eingliederung in die Gesellschaft zu fördern.
Nach dem Ende der Militärkarriere warten Elend und Armut auf amerikanische Soldaten.
Und mit jeden Einsatz wächst das Heer der US - Frontveteranen, die nach der Rückkehr in die Heimat mit seelischen Problemen zu kämpfen haben.
Darauf konnte sie kein
noch so hartes Kampftraining vorbereiten.
Auch Bundeswehrsoldaten leiden unter dauerhaften Traumaschäden, Alkoholismus und sind gefährdet in die Armut abzurutschen.
Das Risiko wächst täglich, dass mit jeder Verlängerung von Kriegseinsätzen eine verlorene, gebrochene Soldatengeneration heranwachsen wird.
Das triste Schicksal ehemaliger Soldaten aus Vietnam sollte deshalb ausreichen, dass verantwortungsbewusste deutsche Politiker das Wort
„NEIN“
wiederentdecken, wenn aus Washington demnächst erneut mehr Soldaten von den
Nato - Partnern eingefordert werden.
Wer in unserer Heimat noch immer Kriegseinsätze befürwortet oder fordert, sollte wissen, dass Gehirnschäden als Folge vieler Detonationen inzwischen die typischen Wunden der Kriege im Irak und in Afghanistan sind.
Unsere amerikanischen „Freunde“ nennen diese nicht direkt sichtbaren Verletzungen
„traumatic brain injury“
[ TBI ].
Klingt vordergründig harmlos,
doch der so genannte TBI - Anteil an den Verletzungen der US - Soldaten beträgt nach Angaben des Pentagons bereits heute 22%.
Klingt vordergründig wenig,
ist aber schon doppelt so hoch wie nach dem Vietnamkrieg.
Korrekturen an der bisherigen
aggressiven Außenpolitik der USA sind zurzeit noch immer
nicht zu erkennen.
DRSB
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