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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Hans - Josef Leiting Heinrich Sternemann

Düsseldorf, den 10. Februar 2010

 

 

Die Nachwehen der US - Kriege
- Teil 70 -

Von Algerien lernen

Neue Strategie für Afghanistan?

 

Schlechtes schön reden, so etwas beherrscht die deutsche Bundeskanzlerin

Angela Merkel

im Schlaf. Es ist quasi seit Jahren die einfachste Übung der CDUlerin.

Obwohl die Mehrheit der Menschen [ 79% ] in unserer Heimat den Einsatz der Bundeswehr oder den Einsatz von deutschen Polizeiausbildern in Afghanistan rundherum ablehnen, werden schon bald weitere Soldaten sowie Polizeiausbilder an den Hindukusch entsandt.

Laut Angela Merkel, Guido Westerwelle und unserem Verteidigungsbaron mit einer

„völlig neuen Strategie“.

Statt schießen heißt die neue Zauberformel

„KAUFEN“.

Mit sehr viel deutschen Steuergeldern sollen aufgebende Taliban - Kämpfer von weiteren kriegerischen Handlungen abgehalten werden. Wer die Mentalität der Afghanen kennt, der weiß schon heute, dass es dann in Afghanistan recht schnell mehr

Taliban - Aussteiger

geben wird als reguläre Einwohner.

Aber vor der Kritik steht bekanntlich die genaue Analyse.

Durchleuchten wir also einmal gemeinsam die „völlig neue Strategie“ von der deutschen Bundeskanzlerin und von ihrem liberalen Außenminister.

Der deutsche

Verteidigungsbaron

wird lediglich zur zeitnahen Umsetzung benötigt, so dass eine mögliche Bewertung seines aktiven Beitrages von untergeordnetem Interesse ist.

Die Ausbilder an der Bundeswehrhochschule sind erfahrene Wissenschaftler. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele hochrangige deutsche Offiziere gut ausgebildete Militärhistoriker sind.

Aus vergangenen Schlachten und Kriegen lernen hilft womöglich in der Gegenwart Menschenleben retten.

Krieg ohne Verwundete und Tote wäre die Idealvorstellung jeder politisch verantwortlichen Kraft.

Der Algerienkrieg wurde aus der Sicht der Algerier als Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich geführt und dauerte von 1954 bis 1962.

Heute, also 48 Jahre nach seiner Beendigung bietet dieser Freiheitskampf der Algerier durchaus Vergleichsmöglichkeiten mit den konfliktbeladenen Szenarien in Afghanistan.

Algerien als Blaupause für Afghanistan?

Kann so etwas tatsächlich heute noch funktionieren?

Noch lebende französische Kriegsveteranen [ hauptsächlich Fremdenlegionäre ] erinnern sich gut an die Versuche der französischen Regierung den aufkommenden Wunsch der algerischen Bevölkerung zur Unabhängigkeit mit wirtschaftlichen Mitteln zu begegnen.

Man versuchte in enger Kooperation mit den Mullahs sowie mit den Dorf- oder Gemeindeältesten ein positives französisches Klima zu erzeugen.

Mit der regelmäßigen Verteilung von Grundnahrungsmittel, Bekleidungsgegenstände und Decken unterstützte man die Mullahs sowie die Dorf- oder Gemeindeältesten bei ihrer pro - französischen Integrationsarbeit.

Flankierend dazu erhielten

Warlords und Drogenbarone

großzügige finanzielle Hilfen, wenn sie bereit waren auf kriegerische Attacken auf die französische Armee zu verzichten.

Ihre Drogenanbauflächen wurden nicht abgefackelt und der Handel mit Rauschgift wurde durch die französische Besatzungsarmee nicht wesentlich behindert.

Es flossen reichlich französische Steuergelder nach Algerien und versickerten, wie auch in Afghanistan durchaus an der Tagesordnung, in viele dubiose Kanäle.

Der zunehmende Wunsch der Algerier nach Freiheit und Unabhängigkeit konnte durch die vorgenannten Aktionen weder unterdrückt noch erstickt werden.

Die geschichtlich festgehaltenen Folgen sind bekannt und können in sehr vielen Verschriftungen und Büchern nachgelesen werden.

Freiheit und Unabhängigkeit

waren die stabile Triebfeder für

Ahmed Ben Bella,

der im März 1954 in Kairo die

FLN

Front de Libération Nationale

gründete, um dadurch die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich zu erreichen.

Schon acht Monate später, im November 1954 begann die FLN mit dem bewaffneten Kampf gegen die französischen Besatzer.

Quasi aus dem „NICHTS“ entstand eine schlagkräftige Armee, die so genannte

ALN

Armee de Liberation Nationale.

Knapp vier Jahre nach der Aufnahme der kriegerischen Aktivitäten gründete die FLN in Tunis eine provisorische Regierung.

Mit der tatkräftigen Unterstützung von

Warlords und Drogenbaronen

gelang es Ahmed Ben Bella bereits im Jahr 1959 alle konkurrierende Freiheitsgruppen

und Unabhängigkeitsbewegungen in seinem Land auszuschalten.

Währenddessen verstärkten die verantwortlichen französischen Politiker die Finanz- und Wirtschaftshilfen.

Heute wissen die Militärhistoriker, dass durch diese Hilfsleistungen der Algerienkrieg von Seiten der FLN / ALN erst richtig an Fahrt aufnehmen konnte.

Die aus der politischen Fehleinschätzung entstandene Situation ist hinlänglich bekannt.

Im Jahr 1962 erkämpfte

die FLN / ALN die Unabhängigkeit Algeriens.

Die Franzosen mussten das Land räumen, nachdem sie einsahen, dass weder mit starken militärischen [ fünfhundertausend Soldaten ] noch mit wirtschaftlichen Mitteln Algerien als französische Kolonie zu halten war.

Nach der erkämpften Unabhängigkeit entwickelte sich die FLN unter Ahmed Ben Bella zu einer sozialistisch ausgerichteten Einheitspartei. Das Wort Demokratie nahmen die verantwortlichen Politiker nicht in den Mund.

Unter dem charismatischen Politiker

Houari Boumedienne

[ 1965 bis 1978 ]

wandelte sich das angedachte liberale Profil der Einheitspartei indem man verstärkt darauf drängte islamische Werte und Traditionen zu integrieren.

Mit dem Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage Algeriens dramatisch.

Der politische Führer

Chadli Bendjedid

[ 1978 bis 1992 ]

musste einer vom Volk gewollten neuen Verfassung zustimmen und zum ersten Mal in der algerischen Geschichte ein Mehrparteiensystem einführen.

Nach den ersten freien Wahlen 1991 wurde ersichtlich, dass bis dahin dominierende FLN bereits im ersten Wahldurchgang eine schwere Niederlage einstecken musste.

Der grandiose Sieg der islamistischen Partei

FIS

konnte nur durch einen Staatsstreich des Militärs abgewendet werden.

Das Militär erlangte einen starken Einfluss in der Politik und verhinderte eine wirkliche Demokratisierung des Landes.

Noch heute, nach nunmehr 48 Jahren gilt der Algerienkrieg als einer der von beiden Seiten am grausamsten geführten Unabhängigkeitskriege der bekannten Geschichte.

Auch die Weiterungen zeigen, dass der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit nicht durch finanzielle oder wirtschaftliche Mittel zu unterdrücken ist.

Denn die politischen Spannungen

wirkten auch in das französische Mutterland.

Während die Mehrheit der Menschen in Frankreich eine Beendigung des Krieges wünschte und die Unabhängigkeit Algeriens akzeptieren wollte, drohten große Teile des französischen Militärs sowie die französischen Siedler mit einem politischen Putsch.

In einem Referendum [ so etwas ist in unserer Heimat nicht vorgesehen als politische

Willensbildung ] stimmten 1961

78% der Franzosen

für einen sofortigen Rückzug aus Algerien.

Aus Verärgerung  und Frustration verübten die französischen Siedler durch ihre Geheimorganisation

OAS

von diesem Zeitpunkt an blutige Terrorakte.

Terror und Krieg forderten nach französischen Angaben den Tod von

17459 Soldaten.

Mehr als 8000 französische Siedler und geschätzte 1 Million Algerier verloren ihr Leben.

Eine wirkliche Demokratisierung von Algerien fand nicht statt. Das Land ist heute stark von islamischen Kräften geprägt.

48 Jahre

nach dem Ende steht der Befreiungskrieg in Algerien erneut im Zentrum des öffentlichen Interesses, denn die Folgen der militärischen Niederlage der Franzosen sowie die Nachwirkungen der innenpolitischen Krisen, lassen die Geschehnisse zur politischen

Blaupause für Afghanistan

mutieren, denn im kollektiven Gedächtnis der Franzosen sind die Bilder und Szenarien präsent.

La guerre d' Algérie dans la mémoire des Français

[ Der Algerienkrieg im kollektiven Gedächtnis der Franzosen ]

lässt sich nicht im Gedächtnisspeicher der Menschen löschen. Selbst jüngere Franzosen warnen ihre deutschen Freunde vor einer Wiederholung der Geschichte.

Der Algerienkrieg wurde mit aller Härte und Brutalität von beiden Seiten geführt und gilt zu Recht als einer schmutzigsten Kriege. Frankreich perfektionierte zwar im Laufe des Krieges die Militärdoktrin zur Bekämpfung der FLN, die durch ihre gnadenlose Rücksichtslosigkeit berüchtigt wurde.

Die mehrfach gewechselten politischen sowie militärischen Taktiken und Strategien konnten den starken Unabhängigkeitswunsch der Algerier nicht beseitigen.

Selbst die Anwendung zahlreicher rechtlich und moralisch fragwürdiger Methoden, wie zum Beispiel Folter und Bestechung von algerischen Mullahs, Freiheitskämpfern sowie von Dorf- oder Gemeindeältesten brachte keinen Erfolg.

Und auch die großzügigen finanziellen Hilfen für algerische

Warlords und Drogenbarone

konnten die gut ausgebildete französische Armee nicht vor der Niederlage schützen.

Am 03. Juli 1962 musste Frankreich

Algeriens Unabhängigkeit anerkennen.

KAUFEN

statt schießen heißt nun die neue Zauberformel [ Strategie ] für Afghanistan von

Angela Merkel und Guido Westerwelle.

Wo liegt hierin eine poltische Innovation?

 


 

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